Völkerschlachtdenkmal
»Soll es gesehen werden, so muß es groß und herrlich seyn, wie ein Koloß, eine Pyramide, ein Dom zu Köln…«, sprach 1814 der deutsche Dichter Ernst Moritz Arndt, welcher an der ersten großen Massenschlacht der Menschheitsgeschichte von 1813 teilnahm, an der mehr als 120.000 Menschen durch Hunger, Seuchen und blutige Kämpfe ihr Leben verloren.
Schon damals machte man sich Gedanken über ein Denkmal zu Ehren der Gefallenen. Doch der Entwurf von Schinkel überspannte die finanzielle Situation Deutschlands und so kam es erst 1898 zu dem Baubeginn des riesen Denkmals, welches im Endeffekt nach Vorbild des Kyffhäuser Denkmals, in einem archaischen Monumentalstil, errichtet wurde. Die Finanzierung dieses gewaltigen Kolosses war jedoch nur möglich, da schon 5 Jahre zuvor Clemens Thieme, ein Architekt, den Deutschen Patriotenbund gründete. Dieser verstand den Sieg der Verbündeten über Napoleon am 18.10.1813 als Geburtsstunde des deutschen Volkes. Wegen Thieme und dem Nachlass eines Leipziger Kaufmanns Grassi wurde durch Spenden und Lotterieeinnahmen die benötigten sechs Millionen Goldmark für den Bau erlangt.
Um mit dem Stein auf Stein setzen zu beginnen, mussten jedoch erstmal 82.000 Kubikmeter Erdreich bewegt und 26.500 Granitporphyrblöcke bearbeitet werden. Der kolossale Tempel erstreckt sich heute über 91m, wurde mit 65 Gründungspfeilern umhüllt und gewährt nach 364 Stufen einen atemberaubenden Panoramablick auf Leipzig und die Umgebung. Im Unterbau befindet sich die Krypta. Sie wird von acht mächtigen, nach innen Schicksalsmasken tragenden Pfeilern umgeben, an denen je zwei auf ihr Schild gestützte, trauernde Krieger die Totenwache halten. Der Mittelbau wird von vier Rundbogenfenstern umgeben. In allen vier Ecken sitzen je 9,60 m hohe Steinfiguren, die die Begeisterung, Glaubensstärke, Opferbereitschaft und Tapferkeit symbolisieren. Über der Ruhmeshalle wurde ein 29 m hoher, glockenförmiger Kuppelbau gesetzt, der an der Außenseite von zwölf „Wächtern“ umgeben wird. Auf der Innenseite dagegen, stellen elf übereinander liegende Reliefs insgesamt 324 lebensgroße heimkehrende Reiter dar.
Dieses atemberaubend prächtige Denkmal mit geschichtlich erschreckendem Hintergrund wurde nach beinahe 15 jähriger Bauzeit im Jahre 1913 eingeweiht und galt bis 1989 als Ort für massenwirksame Propagandaveranstaltungen verschiedener politischer Systeme. Heute wird der Deutsche Patriotenbund durch den Förderverein Völkerschlachtdenkmal e.V. weitergeführt.
Die gegenwärtig stattfindende Sanierung soll bis zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht im Jahr 2013 abgeschlossen sein.




